
10. Aug. 2005, 53km 1970Hm
Am Abend zuvor, bei der Einfahrt in Ischgl, war ich platt von der Hotel-Dichte. Im Winter muss hier wohl die Hölle los sein, und im Sommer werben viele Angebote um die Biker.
So wurde z.B. der Velill-Trail extra für uns angelegt. Unten in Ischgl fragte ich den Typen vom Bike-Verleih nach dem Schwierigkeitsgrad dieses Trails. Der hatte aber nur Achselzucken zur Antwort. Also: mit der Fimberbahn hinauf zur Idalpe, dann knapp 300Hm teilweise steil hinauf zur Velill-Scharte. Die folgende Abfahrt erlebten wir absolut easy, aber in spassigem Zickzack bis zur oberen Velillalpe. Dort gäbe es rechts vom Bach eine Schotterstrasse, aber wir suchten schwierigeres, und nahmen den weiterführenden Wanderweg ziemlich in der Falllinie und im Zickzack über die steile Skipiste.
Dann ab der Mittelstation wieder mit der Fimberbahn hoch zur Idalpe. Und jetzt gilt es ernst: der Aufstieg zum Idjoch verlangt viel Kraft. Ich habe geschoben. Ein schlanker Bursche, komplett ohne Gepäck, ist in einem unglaublichen Tempo an mir vorbei gefahren.
Der Greitspitztrail war als Highlight vorgesehen, aber der
kürzliche Schneefall machte wohl einen Strich durch die Rechnung. So erlebte
ich diesen Trail eher mühsam, ohne Rithmus und immer wieder durch Schnee oder
Matsch schiebend, und im rechten Ohr einen saukalten Wind.
Aber wenn ich mir hinterher die Fotos anschaue, sieht es doch recht spektakulär
aus...
Vorne am Pauliner Kopf kam uns vom Zeblasjoch her wieder der schlanke Bursche entgegen. Jetzt schaltet's: das ist Bart Brentjens! Der Typ war doch tatsächlich auf der Iron-Bike-Strecke unterwegs und unten in Samnaun, während wir gerade mal den Gratweg schafften. So einer zieht sich mal kurz den Iron-Bike als Training rein, oder musste er den Frust vom Rennen (wegen Defekt kurz vor dem Ziel x Plätze verloren, "nur" 5. Platz) wieder hinaustreten ?
Vom Zeblasjoch ging's dann wieder hinunter Richtung Gampenalpe. Oben zuerst ein gut fahrbarer, erdiger Wanderweg, im Mittelteil verlochte und sumpfige Kuhwiese, und im unteren Teil führt eine neue Schotterstrasse ca. 100Hm oberhalb der Gampenalpe (Punkt 2008) auf die Strasse im Fimbatal. Schon fast eine Biker-Völkerwanderung was hier unterwegs ist. Die gutmütige Schotterstrasse bringt uns über die schweizer Grenze zur Heidelberger Hütte. Dort gibt es zuerst einmal eine Gerstensuppe und Apfelschorle. Obwohl wir in der Schweiz sind bezahlt man in Euro.
Wir sind wohl die letzten für heute, welche noch den Aufstieg zum Fimberpass in Angriff nehmen, es ist doch schon nach 16Uhr als wir aufbrechen. Nach ca. 50min recht angenehmer Schiebepassage erreichen wir die Passhöhe. Nach ein paar Fotos stechen wir hinein ins Vergnügen, hinunter in den Single-Trail ins Val Sinestra. Technisch recht anspruchsvoll, aber ein Hochgenuss. Irgendwo in der Mitte der Abfahrt halte ich inne, und behaupte: das ist ein neuer Level von Alpenpass, wie ich ihn bisher nicht erlebt hatte! Einsamer Single-Trail, anspruchsvoll und doch mit Genuss fahrbar. Bei einem Stopp bemerken wir in der Euphorie erst spät, dass 50m weiter eine ganze Murmeltier-Familie ungestört die Alpenkräuter geniesst.
Nach der halben Brücke (Foto!) wird der Weg immer besser. Um nicht zu viel Höhe zu vernichten wollen wir nicht hinunter nach Ramosch, sondern wechseln schon weit oben (ca. 1820m) bei Farola auf die rechte, westliche Talseite ins Val Laver. Zwar muss man hier etwa 100Hm grösstenteils schieben, aber dafür mündet man nach der folgenden Abfahrt im Val Sinestra direkt in Sent, unserem Tagesziel.
Geheimtipp: Die Pensiun Plaz in Sent ist ein familiär geführtes Haus mit sehr gutem Angebot. Und Sent ist ein sehr gepflegtes Engadiner Dorf, wo man durchaus auch eine ganze Woche Ferien verbringen könnte !
Bilder siehe Fotoalbum