Story 2000
Vom 20. bis 27. Mai 2000 haben wir einmal mehr den Schotter spritzen lassen !
Nicht ganz so gnadenlos auf Höhenmeterjagd wie letztes Jahr, aber auch nicht
ohne. Dieses Jahr erstmals ganz ohne den kleinsten Regentropfen. Danke Petrus.
The
bikers
(von links)
* Hans No Way Chippendale
* Nolla
* onorevole Altissimo Peter
* me, the biker online (oder "pancia di coniglio")
Peter, das erste mal dabei, hat unseren Wortschatz erweitert. So
heissen die Kettenblätter "Wähe" (vom Chäs-chüechli
bis in die Familienpizza hochschalten ?) und die Wade am
wohlgestalteten Biker-Bein heisst "Chüngelibuuch" (Kaninchenbauch,
oder eben pancia di coniglio) Da wäre noch ein Vorschlag an alle
Klamottenhersteller : Bitte entwickelt für die nächste
Kollektion eine Hose mit Riffelblech am Hosenboden. Das verhindert
zuverlässig das Einhängen auf den Stollen des Hinterrades, wenn es mal
sehr steil abwärts geht. Und zudem kann der aktive Biker auf diese Weise
die quietschende Scheibenbremse entlasten.
Ebenso hat er eine ganz neue Masseinheit für Höhenmeter eingeführt. Er
als Flachland-Indianer hat die Berge immer in Anzahl Hausbergen gemessen.
So ist für ihn der Altissimo 8.2186 Hausberge
hoch.
Für Nolla ist hingegen ein Hausberg nicht mehr als eine
bessere Garageneinfahrt. Aber das liegt wohl daran, dass sich Nolla nicht
so schnell von etwas beeindrucken lässt. Da wären zum Beispiel Penne,
Maccheroni, Tortiglioni al pesto, alla arabiata, oder aglio olio oder
carbonara und tausend andere Variationen von pasta, aber nein, Nolla
bleibt bei seinen Spaghetti al pomodoro. "
Und ausserdem sind wir nicht zusammengekommen, um es schön zu haben
!"
Eigentlich
waren wir als Team 
unterwegs. Aber unser Chippendale durfte auch bei uns
mitmachen, um die Ehre von Cannondale zu retten. Er war der einzige mit
Cannondale, welcher auf dem Tremalzo auf der richtigen Seite aus dem
Tunnel kam (die Seite, welche Spaghetti im Rifugio Garda verspricht). Hans
No Way Chippendale hat dieses Jahr in die Fully-Fraktion gewechselt,
nachdem sich das schon letztes Jahr abgezeichnet hatte.
Als
Kettenstrebenschutz für sein Cannondale kann natürlich kein schnöder
Lizard Skin dienen. So ist er zufällig auf das mega-in-Zubehörteil für
sein Bike gestossen (Bild rechts). Eigentlich zur Dekoration der
Sicherheitsgurte für die Kids im Auto entworfen, zelebriert dieses Piglet
(Schweinchen) die ultimative Thrillsportart des kommenden Jahrtausends : Kettenstreben-surfen.
Von oben die schlagende Kette, und von unten fliegender
Gardasee-Schotter... WOW
!
Andere Cannondales waren gut geeignet, die eigene Moral zu heben, wenn
z.B. ganz weit unten am Altissimo-Aufstieg ein frischer Cannondale-Fahrer
(das Bike kommt direkt aus dem Shop) plötzlich die Karte aus dem Rucksack
nimmt, um verzweifelt ein Argument zum Anhalten zu suchen. Dabei ist es
ganz einfach: Maul halten und weitertreten. Bis auf 1560m hinauf kann man
nichts falsch machen.
The Trails
Der Moser hat noch immer genügen Touren, welche wir noch nicht
erkundet haben. Mindestens der Tremalzo ist Pflichtprogramm. Die weiteren
Touren haben wir je nach Wetter und Gemütsverfassung ausgesucht oder
kombiniert.
- Bocca di Tovo + Lago Tenno (1740Hm, 54km)
Für einmal nicht gleich ganz hinauf nach S.Giovanni. Für unseren Novizen
Peter gleich die erste Prüfung mit dem recht steilen Aufstieg. Dann auf
halber Höhe nach links auf den Sattel abzweigen. Dabei ist die herrliche
Aussicht zurück zum Lago zu geniessen. Auf der Abfahrt sind wir direkt
durch Canale gefahren und dann hinüber zum Tennosee. Die Runde um den
Tennosee bietet aussichtsmässig nicht mehr so viel, aber als Einführung in
die Fahrtechnik bei losem Schotter auf losem Grund
ganz gut geeignet. Frei nach der Moser-Regel Nr. 27: "man
folge dem üblen, bald wieder begehbaren Weg"...
- Valvestino
(1215Hm, 35.6km)
Weil das Wetter noch nicht so recht beständig aussah, entschlossen wir uns
für eine Tour in nicht ganz so grosse Höhen. Mit dem Auto sind wir zum
Lago di Valvestino (Molino di Bollone) angefahren. Von dort unternahmen wir
eine sehr lohnende Tour zum Passo Scarpapè. Wenn man hier oben ankommt,
wird man unweigerlich an den Tremalzo erinnert. Die Abfahrt auf dem Rückweg
ist die beste, welche wir in dieser Woche erlebt haben ! Zuerst auf guter
Schotterstrasse wird es immer gröberer, da
steigert man sich unweigerlich in einen wüsten Downhill und wenn man unten
anhält, um die Handgelenke zu entlasten merkt man erst, wie heftig es war !
Dann geht's gleich weiter mit einem superschmalen Asphalt- oder Betonsträsschen,
wie auf der Co-Cart-Bahn.
Es lohnt sich eben doch, auch einmal mit dem Auto in eine andere Gegend zu
fahren !
- Altissimo
(2293Hm, 58.4km)
Die eigentliche Königsetappe. Diesmal alle mit genug Wasser, und der nötigen
Geduld. Die braucht es wirklich, um die 2000Hm am Stück zu bewältigen.
Wenn ich hätte wetten müssen, ob unser "Flachland-Indianer"
Peter diesen Berg knackt, hätte ich gegen ihn gestimmt. Aber alle Achtung !
Er hat die Ausdauer bewiesen, und so konnten alle das Gipfelglück erleben,
nach dem Motto : "Nicht jammern, bewältigen !". So hat der den
Titel onorevole Altissimo verdient. Den
richtigen Rückweg haben wir diesmal ohne knacken im Unterholz und ohne
Zusatz-Höhenmeter direkt gefunden.
- Passo della Morte (642Hm, 20.9km)
Diese "Mini-Tour" war unser Ruhetag. Eine schöne Fahrt in die
Sarca-Schlucht westlich von Sarche. Zurück über den Passo della Morte und
mit einer tollen Wald-Abfahrt zum Schluss. Und dann die Beine hängen lassen
in der Bar des Castello Toblino. Eigentlich hätte hier ein trockener
Weisswein ganz gut geschmeckt, aber irgendwie passt das nicht zu den dirty
bikers. Fast hätten wir es einen Moment schön gehabt...
- Tremalzo (1714Hm,
55.8km)
Fest im Programm natürlich auch dieses Jahr ! Leider ist die Ponalestrasse
nach Pregasina immer noch gesperrt. So ist die direkte Anfahrt von Riva unmöglich.
Das Auto haben wir oberhalb des grossen Tunnels bei Biacesa parkiert. Wer
will, kann dann wieder hinunter auf die Ponalestrasse. Wir machten es uns
etwas bequemer, und sind direkt den kleinen Tunnel hoch nach Pregasina.
Der
Rest ist dann klassisch. Das erste Highlight ist die Aussicht am Passo
Rocchetta. Hier hat unser Chippendale
den Vornahmen Hans No Way erhalten. Ich
war beeindruckt, wie viele Stufen über Steine und Wurzelwerk er fahrend
geschafft hat (natürlich verdient er den Namen auch wegen seinem französischen
Luxuskörper).
Dass die Zielankunft als erster auf dem Tremalzo das eigentliche Tagesziel
ist, haben alle schon lange vorher erklärt. So habe ich ganz früh meine
Taktik offengelegt : Ich rechne damit, dass sich Chippendale und Nolla schon
bei der Auffahrt zu Passo Rocchetta derart attackieren, dass die Luft raus
ist, und ich dann locker als erster ankommen kann. Aber Hans No Way hat sich
im unteren Teil ebenso vornehm zurückgehalten wie ich. Und so kam es, dass
der Schlussaufstieg eben doch recht intensiv wurde, aber es hat mir dann
doch gereicht !
Aber auch Peter hat sich erstmals zugetraut, "die
Sau rauszulassen" (siehe rechts) und einem höheren Puls zu
fahren. So ist auch er nur wenig später oben angekommen.
- Pala della Stivo (1649Hm, 54.9km)
Mindestens einmal in der Woche muss man beim Kletterfelsen hinter Arco
vorbeikommen. Diese Route nahmen wir für die Anfahrt nach Luch zum letzten
grossen Aufstieg unserer Woche. Die Strasse auf die Malga Campei. Eine
herrlich schattige, im Wald angelegte Strasse (Asphalt) mit 16 Tornantes.
Jede Kehre hat einen Namen. Die ersten 10 sind schnell vorbei, aber
irgendwie dauert es weiter oben immer länger bis die nächste kommt. Auf
der Alp gibt's eine Rast, bevor noch die letzte kurze Steilauffahrt zum höchsten
Punkt der Tour ansteht.
Die Abfahrt führte uns auf die Strecke zum Rifugio Monte Velo und wieder
zurück nach Arco, wo wir unser wohlverdientes Bier im FREEMASTER
genossen.